Regulierungskontext

EU AI Act, DSGVO und mehr

Fünf Regelwerke bestimmen, wie Unternehmen in Europa KI einsetzen dürfen. Hier erfahren Sie, was sie bedeuten, wen sie betreffen und ab wann sie gelten.

Keine Rechtsberatung. Diese Seite bietet eine sachliche Orientierung, ersetzt aber keine juristische Beratung. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an die offiziellen Quellen oder Ihre Rechtsabteilung.
EU AI Act Verordnung (EU) 2024/1689

Was ist das?

Der EU AI Act ist die weltweit erste umfassende KI-Regulierung. Er definiert Risikostufen, Pflichten für Anbieter und Betreiber und verbietet bestimmte KI-Praktiken.

Wen betrifft es?

Alle Unternehmen, die KI-Systeme in der EU anbieten, einführen oder einsetzen — unabhängig vom Firmensitz.

Ab wann gilt es?

Schrittweise ab 2. Februar 2025. Verbote und KI-Kompetenzpflicht gelten bereits. Vollständige Hochrisiko-Pflichten ab 2. August 2026.

Bußgeldrahmen

Bis zu 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes — je nachdem, welcher Betrag höher ist.

Vier Rollen im EU AI Act

Anbieter

Entwickelt oder vertreibt ein KI-System unter eigenem Namen

Betreiber

Setzt ein fremdes KI-System im eigenen Geschäftsbetrieb ein

Einführer

Bringt ein KI-System aus einem Drittland in den EU-Markt

Händler

Vertreibt ein KI-System, ohne es wesentlich zu verändern

Vier Risikostufen

Verboten

Unzulässiges Risiko

Social Scoring durch Behörden, manipulative Techniken, Echtzeitbiometrie im öffentlichen Raum (mit engen Ausnahmen), Emotionserkennung am Arbeitsplatz. Diese Systeme sind in der EU verboten.

Strenge Pflichten

Hohes Risiko

Systeme in Bereichen wie Personalwesen, Kreditvergabe, Bildung, kritische Infrastruktur, Biometrie, Medizin oder Justiz. Das entscheidende Merkmal ist der Einsatzkontext: Ein allgemeines KI-Modell wird zum Hochrisiko-System, sobald es für diese Zwecke eingesetzt wird.

Transparenzpflichten

Begrenztes Risiko

Chatbots, KI-generierte Inhalte und andere Systeme, bei denen Nutzer wissen müssen, dass sie mit KI interagieren. Kennzeichnungs- und Informationspflichten gelten.

Keine spezifischen Pflichten

Minimales Risiko

Die meisten KI-Anwendungen fallen in diese Kategorie, solange kein besonderer Risikokontext vorliegt. Spam-Filter, empfehlungsbasierte Funktionen, Produktivitäts-KI ohne kritischen Kontext.

DSGVO Datenschutz-Grundverordnung

Was ist das?

Die DSGVO regelt den Schutz personenbezogener Daten in der EU. Sie gilt seit Mai 2018 und ist das zentrale Datenschutzgesetz.

Wen betrifft es?

Jedes Unternehmen, das personenbezogene Daten von EU-Bürgern verarbeitet.

Verhältnis zum EU AI Act

EU AI Act und DSGVO gelten parallel. KI-Systeme, die personenbezogene Daten verarbeiten, müssen beide Regelwerke erfüllen.

Bußgeldrahmen

Bis zu 20 Mio. € oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes.

NIS2 Netz- und Informationssicherheitsrichtlinie 2

Was ist das?

NIS2 verschärft die Cybersicherheitsanforderungen für wesentliche und wichtige Einrichtungen in der EU.

Wen betrifft es?

Unternehmen in kritischen Sektoren ab 50 Mitarbeitern oder 10 Mio. € Umsatz.

Verhältnis zum EU AI Act

KI-Systeme sind Teil der IKT-Infrastruktur. NIS2 verlangt deren Inventarisierung und Risikobewertung.

Bußgeldrahmen

Bis zu 10 Mio. € oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes.

Energie Transport Gesundheit Finanzwesen Digitale Infrastruktur Öffentliche Verwaltung Lebensmittel
BaFin / MaRisk Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

Was ist das?

Die BaFin überwacht Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister. MaRisk definiert die Mindestanforderungen an das Risikomanagement.

Wen betrifft es?

Alle von der BaFin beaufsichtigten Institute in Deutschland.

Verhältnis zum EU AI Act

KI-Einsatz in Finanzinstituten muss zusätzlich die MaRisk-Anforderungen erfüllen, insbesondere bei automatisierten Entscheidungen.

Bußgeldrahmen

Aufsichtsmaßnahmen, Anordnungen und Beschränkungen durch die BaFin.

DORA Digital Operational Resilience Act

Was ist das?

DORA vereinheitlicht die Anforderungen an die digitale Betriebsstabilität im Finanzsektor der EU.

Wen betrifft es?

Finanzunternehmen und ihre kritischen IKT-Drittdienstleister.

Ab wann gilt es?

Anwendbar seit Januar 2025.

Bußgeldrahmen

Bis zu 1 % des durchschnittlichen weltweiten Tagesumsatzes — täglich, bis zu 6 Monate.

Interaktiver Zeitstrahl

Von der ersten Idee bis zur vollständigen Umsetzung — alle Meilensteine des EU AI Act.

2. Aug 2027
Hochrisiko in regulierten Produkten
Erweiterte Pflichten für Hochrisiko-KI in regulierten Produkten (z.B. Medizinprodukte, Maschinen).
2. Aug 2026
Bevorstehend

Vollständige Hochrisiko-Pflichten

Alle Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme, Transparenzregeln und Marktüberwachung greifen umfassend.

Noch 5 Monate. Ab dem 2. August 2026 müssen alle Hochrisiko-KI-Systeme vollständig compliant sein. Ein kostenloser Scan mit traicer zeigt Ihnen, welche KI-Systeme betroffen sind.
März 2026
Sie sind hier

Aktuelle Situation

KI-Kompetenzpflicht und Verbote gelten. GPAI-Pflichten sind aktiv. Die Vorbereitung auf die vollständigen Hochrisiko-Pflichten läuft.

2. Aug 2025
Abgeschlossen

GPAI-Pflichten

Pflichten für Anbieter von General Purpose AI Modellen greifen.

Apr 2025
GPAI-Leitlinien
Das EU AI Office veröffentlicht Leitlinien für General Purpose AI.
2. Feb 2025
Abgeschlossen

Verbote und KI-Kompetenzpflicht

Verbotene KI-Praktiken (Art. 5) und die KI-Kompetenzpflicht (Art. 4) gelten ab sofort.

Jan 2025
DeepSeek R1
DeepSeek veröffentlicht R1 — Open-Source-Modell mit Reasoning-Fähigkeiten.
Jan 2025
DORA anwendbar
Der Digital Operational Resilience Act gilt für den Finanzsektor.
Okt 2024
NIS2 Umsetzungsfrist
Nationale Umsetzungsfrist für die NIS2-Richtlinie.
1. Aug 2024
Abgeschlossen

EU AI Act tritt in Kraft

Veröffentlichung im Amtsblatt. Die gestaffelte Umsetzung beginnt.

Mai 2024
EU-Rat nimmt an
Der Rat der EU bestätigt die Verordnung formal.
Mär 2024
Abgeschlossen

EU-Parlament verabschiedet EU AI Act

Das EU-Parlament nimmt die KI-Verordnung mit breiter Mehrheit an.

Feb 2024
EU AI Office gegründet
Das AI Office der EU-Kommission nimmt seine Arbeit auf.
Dez 2023
Trilog-Einigung
EU-Parlament, Rat und Kommission einigen sich auf den finalen Text.
Mär 2023
GPT-4
OpenAI veröffentlicht GPT-4, multimodales Sprachmodell.
Nov 2022
ChatGPT-Start
OpenAI veröffentlicht ChatGPT — KI wird zum Massenphänomen.
Apr 2021
Erster EU AI Act Entwurf
Die EU-Kommission legt den ersten Verordnungsentwurf vor.

Warum es wichtig ist, welche KI Ihre Daten verarbeitet

Nicht jede KI ist gleich — und nicht jede Datenverarbeitung ist in Ihrem Interesse. Diese Fragen sind es wert, gestellt zu werden.

Wo werden Ihre Eingaben gespeichert?

Wenn Sie einer KI eine Frage stellen, geht diese Frage irgendwo hin. Bei vielen Diensten werden Eingaben auf Servern gespeichert — manchmal für 30 Tage, manchmal länger, manchmal zur Verbesserung des Modells genutzt. Wissen Sie, welche Regel für Ihre Tools gilt?

Welches Unternehmen verarbeitet Ihre Daten?

Hinter KI-Produkten stehen Unternehmen mit eigenen Datenschutzrichtlinien, Serverstandorten und Geschäftsmodellen. OpenAI, Google, Meta, chinesische Anbieter — die Rechtslage und die Datenschutzstandards unterscheiden sich erheblich.

Findet die Verarbeitung auf Ihrem Gerät statt — oder woanders?

Lokale Modelle (Ollama, LM Studio, GPT4All) verarbeiten Daten auf Ihrem Gerät — nichts verlässt Ihren Rechner. Cloud-Dienste senden Ihre Anfragen an externe Server. Das ist kein Werturteil, aber ein Unterschied, den Sie kennen sollten.

traicer zeigt Ihnen, welche KI auf Ihrem Rechner aktiv ist und welche davon externe Verbindungen aufbaut — als erster Schritt zur Antwort auf diese Fragen.

Diese Seite dient der allgemeinen Orientierung. Die Datenschutzbedingungen der einzelnen KI-Dienste sind in ihren jeweiligen Primärquellen zu finden.

Quellen und Primärdokumente

Offizielle Primärquellen zu allen fünf Regelwerken.

Ihre Pflichten prüfen

Der interaktive Pflichten-Check zeigt Ihnen in drei Fragen, welche Anforderungen für Ihre Situation gelten.

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